Frau und Mann umarmen sich
Gerade in Fernbeziehung stellt das Aufbauen von Nähe ein besonders schweres Problem dar,

Fernbeziehungen stellen Paare vor besondere Herausforderungen. Durch den Wechsel von Getrennt- und Beisammensein kann in einer Beziehung auf Distanz der Alltag in der Regel nicht miteinander geteilt werden. Das macht es besonders schwer, Nähe aufzubauen. In einer Fernbeziehung müssen zwangsläufig andere Formen von Nähe gefunden und gelebt werden, die es ermöglichen, trotz physischen Getrenntseins in Verbindung zu bleiben und sich einander nah zu fühlen. Dabei macht es auch einen Unterschied, ob ihr von Anfang an eine Beziehung auf Distanz geführt habt oder ob die Fernbeziehung erst im Laufe der Zeit zu einer solchen geworden ist. 

Was bedeutet Nähe für uns als Fernbeziehungspaar?

Wie nah man einander in einer Beziehung sein will und was Nähe überhaupt bedeutet, davon hat grundsätzlich jeder andere Vorstellungen. Häufig wird diese Verschiedenheit der Partner gerade dann sichtbar, wenn die Beziehung auf Distanz geführt wird und man einander regelmäßig über längere Zeiträume hinweg nicht sehen kann. Während der eine vielleicht am liebsten mehrmals täglich den Partner am Telefon sprechen würde, kann es für den anderen völlig ausreichend sein, einander ein paar Textnachrichten zu schicken und nur einmal in der Woche zu telefonieren. Nicht selten führt das zu Enttäuschungen und Verletzungen bei dem einem und zu Erwartungsdruck und schlechtem Gewissen bei dem anderen Partner. Viele Paare zweifeln dann grundsätzlich an ihrer Beziehung. Kann es mit uns überhaupt funktionieren, wenn wir offensichtlich so unterschiedliche Vorstellungen von einer Beziehung haben? Die Antwort lautet: Ja! Entscheidend ist, dass ihr lernt, die eigenen Bedürfnisse und die des anderen zu erkennen, offen zu kommunizieren und gemeinsam Nähe und Verbundenheit herzustellen. 

Unterschiedliche Vorstellungen von Nähe kommunizieren und auf einen Nenner bringen

Dem Partner die eigenen Bedürfnisse und Vorstellungen von Nähe offen mitzuteilen und gemeinsam darüber zu sprechen, ist in einer Fernbeziehung besonders wichtig. Längst ist es keine Seltenheit mehr, dass Paare ihre Beziehung über mehr oder weniger große Distanzen aufrechterhalten und temporär oder dauerhaft getrennt voneinander leben. Dass das überhaupt funktioniert, ist nicht zuletzt den vielen Kommunikationsformen zu verdanken, die es heute gibt. Nicht immer konnten Paare stundenlang miteinander telefonieren, einander per Videochat sogar in Echtzeit sehen und blitzschnell Fotos, Videos oder Sprachnachrichten verschicken. Auf der einen Seite machen es diese Entwicklungen viel leichter, Kontakt zu halten und Nähe aufzubauen, auf der anderen Seite darf aber nicht vergessen werden, dass diese Kommunikationsformen die physische Nähe zum Partner kaum ersetzen können. Den anderen zu berühren, zu riechen und als körperlich nah wahrzunehmen – all das geht per Telefon nicht. Auch deswegen baut die Möglichkeit, über so viele Kanäle in Kontakt zu bleiben, in manchen Fernbeziehungen Druck auf. „Wir könnten doch, wenn wir wollten“ – aber nicht jeder will all die schönen neuen Möglichkeiten auch nutzen. Dass der eine einfach nicht gern telefoniert und viele Nachrichten verschickt, kann bei dem anderen auf Unverständnis stoßen und schließlich als Vernachlässigung der Beziehung interpretiert werden. Deshalb ist es umso wichtiger, genau das klar mitzuteilen und zu kommunizieren. Gemeinsam finden sich meist die besten Lösungen dafür, wie sich Verletzungen und Enttäuschungen verhindern lassen. Auch über Kompromisse kann man sich am besten gemeinsam verständigen – und der Partner greift vielleicht doch öfter mal wieder zum Hörer. 

Die vielen Möglichkeiten des Kontakthaltens machen es in einer Fernbeziehung also besonders wichtig, zu klären, wieviel und welche Form von Nähe jeder braucht, was ihm in der Partnerschaft fehlt und wie sich Lösungen und Kompromisse dafür finden lassen, dass beide Partner sich weder alleingelassen noch unter Druck gesetzt fühlen. 

Von Null auf Hundert? Die Schwierigkeit von Abschied und Wiedersehen

Frau mit Koffer am Flughafen
Der stetige Wechsel von Abschied und Wiedersehen stellt für viele Fernbeziehungspaare eine besondere Schwierigkeit dar.

Für viele Paare ergeben sich in Fernbeziehungen auch aus dem stetigen Wechsel von Abschied und Wiedersehen Schwierigkeiten. Nicht jeder tut sich leicht damit, nach längerem Getrenntsein gleich wieder Vertrauen zum Partner zu fassen und Nähe herzustellen. Während es für den einen selbstverständlich ist, die Freude über das lang ersehnte Wiedersehen mit einer innigen Umarmung zu zeigen, fällt es dem anderen möglicherweise schwer, allzu schnell wieder körperliche Nähe aufzubauen. Auch hier gilt: Teilt einander eure Bedürfnisse und Bedenken mit und macht euch keine Sorgen, wenn ihr es erst einmal langsam angehen wollt. Vor allem in frischen Fernbeziehungen kann es besonders schön sein, sich einander langsam wieder anzunähern und das so entstehende Vertrauen richtig zu genießen. Nach ein paar gemeinsamen Stunden fühlt es sich ganz bestimmt wieder an, als wäre man nie voneinander getrennt gewesen. 

Gemeinsamkeiten im getrennten Alltag

Fernbeziehungen werden nicht selten als „Freizeitbeziehungen“ bezeichnet. Oft sehen sich Fernbeziehungspaare nur am Wochenende und genießen dann freie Zeit zusammen, während sie im Alltag getrennt voneinander leben. Umso wichtiger ist es, auch im getrennten Alltag Nähe herzustellen und zu versuchen, den anderen am eigenen Alltag teilhaben zu lassen. Gemeinsame Rituale können dabei meist helfen. Abende auf der Couch sind in Fernbeziehungen zwar nicht jeden Tag zu realisieren, aber gemeinsam Filme schauen kann man trotzdem. Einen Film herauszusuchen, dabei vielleicht den anderen am Telefon zu haben oder sich anschließend darüber auszutauschen, kann Nähe trotz physischen Getrenntseins herstellen. Außerdem bieten solche virtuellen Formen des Beisammenseins Gesprächsstoff, der über das, was man im Alltag erlebt, hinausgeht. Für viele Paare ist es auch schön, durch Fotos oder kleine Videos am Leben des anderen teilzuhaben, zu wissen, wo der andere sich gerade befindet oder was er heute Besonderes erlebt oder gesehen hat. Auf diese Weise lässt sich ein Stückchen Alltag teilen, obwohl man nicht am gleichen Ort ist. 

Fernbeziehungen sind besonders sensibel für normative Vorstellungen und gedachte Regeln. Ist es normal, dass mein Partner sich so selten meldet? Müssten wir einander nicht viel öfter sprechen? Oder haben wir sogar zu viel Kontakt und konzentrieren uns nicht genug auf den eigenen Alltag, auch ohne den Partner? Hier gilt einmal mehr: Ihr seid die Regisseure eurer Beziehung! Nur ihr entscheidet, wieviel Kontakt und Nähe euch und eurer Beziehung gut tun und wie ihr eure Fernbeziehung so gestalten könnt, dass ihr euch einander nah fühlt – ohne Druck, Enttäuschungen, schlechtes Gewissen und Sorge um die eigene Freiheit. Dass das alles andere als leicht ist, wissen Paare, die eine Fernbeziehung führen, wohl am besten. Aber mit Kommunikation, ernstgemeintem Verstehen, Absprachen, Offenheit und Ehrlichkeit kann genau das gelingen – und die Beziehung trotz Distanz zu Stabilität und Vertrauen finden.

Welche Problematik gibt es beim Aufbau von Nähe bei Fernbeziehungen?

In vielen Fällen besitzen die Paare unterschiedliche Vorstellungen von Nähe. Für den einen ist beispielsweise das tägliche Telefonieren ein Zeichen von Nähe und für den anderen wiederum kann dieses Verhalten eine Art von Kontrolle bedeuten.

Was gibt es bei dem Aufbau von Nähe zu beachten?

Damit in Fernbeziehungen Nähe aufgebaut werden kann, ist es wichtig, dass die Paaren offen über die Bedürfnisse und Vorstellungen von Nähe sprechen.

Welche Möglichkeiten gibt es um in einer Fernbeziehung Nähe aufzubauen?

Neben den vielen gängigen Kommunikationsmöglichkeiten, wie Telefonieren, Videochatten, Fotos, Sprachnachrichten etc. helfen vor allem gemeinsame Rituale an dem Alltag des anderen teilzuhaben und so eine gewisse Nähe aufzubauen.

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